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Successity: Im Laufe Ihrer Karriere waren Sie u. a. Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Jenaoptik, Präsident der Industrie- und Handelskammer in Ostthüringen, TV – Moderator und vieles mehr. Was war Ihre größte Herausforderung?
Prof. Dr. Lothar Späth: Das war die Massenentlassung von 16 000 Menschen in Jena. Eine solche Situation lässt sich kaum beschreiben. Diese Stadt und ihre Umgebung haben sich sehr gut erholt und entwickelt.
Successity: Während sich China als Reich der Mitte sieht und Amerikas Selbstbild einer Weltpolizei entspricht, behaupten Sie in Ihrem Buch „Strategie Europa - Ein Zukunftsmodell für die globalisierte Welt“, dass Europas Chance nun darin bestehe, seine speziellen Erfahrungen und Errungenschaften als Alternativmodell in den Dienst der Menschheit zu stellen und damit als Vorbild zu fungieren. Was macht Sie so sicher, dass der Rest der Welt überhaupt nach einem Vorbild sucht?
Prof. Dr. Lothar Späth: Europas großer Vorteil ist es, trotz aller bürokratischen Fehlentwicklungen, der einzige Kontinent zu sein, der nicht nur ein Modell für einen globalen Marktplatz entwickeln kann, sondern auch in der Lage wäre, ein ordnungspolitisches Modell – vor allem im ökologischen und sozialen Bereich – für die globale Welt zu sein. Dabei geht es weniger darum, ob andere ein Vorbild suchen, als vielmehr darum, dass sich Europa zu einem Vorbild entwickelt.
Successity: Bis vor kurzem waren Sie Aufsichtratsvorsitzender der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, die neulich das Studentenportal Studienverzeichnis für 100 Millionen € erworben hat. Stehen wir wieder vor einer Internetblase?
Prof. Dr. Lothar Späth: Ich glaube nicht, dass wir vor einer neuen Internetblase stehen. Während der ersten Internetwelle vor fünf, sechs Jahren wurden Fehler gemacht. Einige davon wiederholen sich heute. Aber insgesamt wurde aus den Fehlern gelernt. Das heißt: wir haben heute in diesem Bereich mehr Nachhaltigkeit, aber Fehlentwicklungen werden sich auch dieses Mal nicht vermeiden lassen.
Successity: Das Motto des Wirtschaftskongresses der European Business School, bei dem Sie 2007 als Redner geladen wurden, lautete „People, Nature, Money – balanced world or resource crisis?“ Mit welchen Gefühlen schauen Sie in die Zukunft?
Prof. Dr. Lothar Späth: Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen. Die Lage – Umweltschäden, Armut – wirkt bedrückend, der Handlungsbedarf ist nicht zu leugnen. Mehr denn je gilt es, die Herausforderungen und Chancen unseres Globalisierungszeitalters klar zu fixieren.
Die Welt ist so klein geworden, dass jeder schon im Vorgarten des anderen sitzt. Wir leben alle im selben Ökosystem. Und wir haben alle die gleichen Grundbedürfnisse. Wir können also unsere ethischen Ansprüche und Normen auch nicht auf eine Teilwelt beschränken. Wir müssen massive Anstrengungen unternehmen, um für einen Ausgleich der Lebenschancen, der Grundversorgung und der Bevölkerungsentwicklung zu sorgen. Viele geben der Globalisierung die Schuld an ihren Ängsten. Doch sie sollten stattdessen die Chancen sehen.
Successity: Herr Späth, Ihr Parteikollege und Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus, hat sich mit seinem Modell des "solidarischen Bürgergeldes" Gedanken zu einem Systemwechsel in der Steuer- u. Sozialpolitik gemacht. Wie stehen Sie zu diesem Modell und welche Chancen sehen Sie für dieses Modell?
Prof. Dr. Lothar Späth: Dieses Bürgergeld hat einen sehr vernünftigen Ansatz: Der eine zahlt Steuern und mit wachsendem Einkommen auch höhere Steuern. Und derjenige, der unter dem Limit liegt und dann noch ins Minus kommt, kann über das Bürgergeld im Grunde die Ausgangslage für seinen Lebensunterhalt sichern. Darin steckt aber eine wesentliche Gefahr: dass sich die Leute mit dem Bürgergeld arrangieren und sagen: „ich komme auch ohne Arbeit aus, ich habe schließlich einen Staatsanspruch und wenn ich mit dem zufrieden bin, dann muss ich keine Anstrengungen im Arbeitsprozess unternehmen“.
Successity-Quickies:
Als Kind war mein Traumberuf…
Prof. Dr. Lothar Späth: ... Lokführer oder Missionar in Afrika.
Mein Vorbild waren....
Prof. Dr. Lothar Späth: ... tüchtige und erfolgreiche Menschen, die aber auch bereit waren, den Schwachen zu helfen.
Ein Leben ohne Arbeit wäre für mich…
Prof. Dr. Lothar Späth: ...vergeudet.
Netzwerke sind…
Prof. Dr. Lothar Späth: ... hilfreich.
In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit…
Prof. Dr. Lothar Späth: mit moderner Kunst, Büchern und Skat spielen.
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