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Interview mit dem Delinatgründer Karl Schefer


Successity: Herr Schefer, Sie sind Geschäftsführer und Inhaber des Weinhandels Delinat. Ihre Kundenzahl befindet sich im sechsstelligen Bereich und jährlich verlassen über 2 Millionen Flaschen Ihre Firma. Wie kommt ein Homöopath aus der Schweiz dazu, einen Weinhandel zu gründen bzw. selbst Wein anzubauen?

Karl Schefer: Alle aus unserer Familie haben stets gern ein Glas guten Wein getrunken. Als ich in Paris 1979 Wein aus biologischem Anbau gesehen hatte, war ich begeistert. Nicht von der Qualität, aber von der Idee. Meine ursprüngliche Ausbildung war Chemielaborant und meine kurze berufliche Laufbahn in dieser Branche reichte mir, um sicher zu sein, dass der „chemische Weg“ der falsche war. Damals fanden Bio-Produkte durchaus schon einen Nischen-Markt, von Wein war aber keine Rede. Vermutlich, weil Alkohol als nicht gesund galt und die Bio-Bewegung von „Gesunddenkern“ angeführt wurde, nicht von Ökologen.

Successity: Ihre Firma war nicht von Anfang an so erfolgreich. Zu Beginn der 80 ziger glaubte keiner an eine Erfolgsgeschichte mit biologischem Wein. Nur Sie selber haben an sich geglaubt. Was hat Sie da so sicher gemacht? Und wie kam es zu einem Durchbruch?

Karl Schefer: Es war Pionierarbeit. Es fehlte der Markt, die Produkte, das Konzept. Wir gingen in kleinen Schritten und lernten dauernd dazu. Wir, das waren mein Bruder und meine Frau. Erste Anzeigen in Bio- und Gesundheits-Zeitschriften zeigten aber, dass ein Interesse bestand, wenn auch in einer wirklich kleinen Nische. Eine weitere Bremse in der Schweiz waren die Behörden, die Worte wie „Bio“, „Natur“ und „natürlich“ in Zusammenhang mit Weinhandel nicht zuliessen. Bis zum eigentlichen Start vergingen drei Jahre. Dann aber hatten wir fast nur noch ein Problem: Das schnelle Wachstum zu finanzieren.

Successity: Was hat Sie daran gereizt, ausgerechnet Ökoweine zu vertreiben? Wo liegt der Unterschied zum herkömmlichen Wein?

Karl Schefer: Es ist einfach logisch: Trauben aus biologischem Anbau schmecken besser, so wie Tomaten, Äpfel und all die bekannten Beispiele. Sie sind gehaltvoller, aromatischer und reicher an Vitalstoffen. Logisch, dass mit dieser Basis bessere Weine entstehen. Ausserdem besteht nicht die Gefahr von gesundheitsschädigenden Pestiziden. Und, was mir persönlich wichtig ist: Die Natur wird geschont.

Successity: Wie können Sie sicher sein, dass Ihre Zulieferer den Wein auch wirklich ökologisch anbauen? Und was machen diese, wenn Ihre Ernte von Schädlingen befallen werden?

Karl Schefer: Delinat-Produzenten werden mehrfach kontrolliert: Von einer lokalen Bio-Kontrollstelle, von unserem Schweizer Partner „bio.inspecta“ und von unseren Önologen. Jeder Wein wird analysiert und Stichproben auf chemische Pestizide geprüft. Ein Vergehen würde rasch auffliegen. Aber die Gefahr ist praktisch nicht vorhanden. Man kann im Bio-Anbau nicht einfach mal schnell ein bisschen flunkern. Es dauert Jahre, bis das Öko-System sich stabilisiert hat und genügend Nützlinge vorhanden sind. Der heimliche Griff zu Chemie wäre verheerend und würde geübten Augen sofort auffallen.

Das grösste Problem ist der Falsche Mehltau. Im biologischen Anbau sind Kupferpräparate zugelassen, die aber sollten langfristig noch stärker reduziert werden. Kupfer ist ein Schwermetall, das sich im Boden nur langsam abbaut. In hohen Konzentrationen hemmt es die Entwicklung von Würmern und anderen Nützlingen. Delinat toleriert in ihren Richtlinien daher nur noch 4 kg Kupfer pro Hektar und Jahr, drei bis viermal weniger, als noch vor 10 Jahren üblich war. Langfristig sollte diese Menge noch einmal halbiert werden können. Delinat finanziert mehrere Forschungsarbeiten dazu.

Successity: Sie vertreiben Wein aus ganz Europa. Warum nicht auch aus Übersee?

Karl Schefer: Nur aus ökologischen Kriterien. Es ist einfach ein Unding, nur weil Erdöl zu billig ist, damit schonungslos umzugehen. In Europa wachsen die besten und vielfältigsten Weine. Ich sehe keinen Grund für Übersee-Transporte. Das Argument, dass der Schiffstransport ökologisch verträglich sei, stimmt nur bedingt und nur bei absolut optimierten Schiffen und Transportwegen – weder das eine noch das andere ist aber die Regel. Und eine von Delinat veranlasste Studie hat gezeigt, dass der Energieaufwand für den kürzesten und „ökologischsten“ Übersee-Transport noch immer ein Vielfaches ist, als bei einem schlecht genutzten, nur halb gefüllten Lastwagentransport aus Südspanien.
Ausserdem wird bei diesen Überlegungen oft ein Faktor vergessen: Allein durch die Geschäftsreisen von Einkaufs- und Kontrollpersonal würden jährlich einige Dutzend klimaschädigende Geschäftsflüge anfallen.

Successity: 1990 erwarb Ihr Unternehmen Delinat das Weingut Château Duvivier in der Provence - inmitten der faszinierenden Provence-Landschaft mit Eichenwäldern, Naturwiesen mit Thymian, Lavendel und Rosmarin. Welche Absicht haben Sie mit dem Erwerb des Châteaus verfolgt?

Karl Schefer: Château Duvivier erfüllt mehrere Zwecke, der wichtigste aber ist die Forschung für biologischen Weinbau. Bereits konnten zwei grossangelegte langjährige Versuchsreihen erfolgreich abgeschlossen werden: Wir konnten beweisen, dass eine ganzjährige Begrünung der Weinberge auch im trockenen Mittelmeerklima vorteilhaft ist und die These widerlegen, nach der die Kräuter sich als Wasser- und Nährstoff-Konkurrenten negativ auf das Rebenwachstum auswirken. Ausserdem konnte auf Château Duvivier der durchschnittliche Kupfereinsatz auf unter 2 kg pro Hektar und Jahr reduziert werden. Weitere Versuche prüfen pilzresistente Rebsorten und die Wirkung von biodynamischen Methoden. Der zweite Zweck des Projekts liegt darin, unseren treuen Kundinnen und Kunden eine Möglichkeit zu bieten, erholsame Ferien in der Provence zu verbringen und dabei vorbildlichen biologischen Weinbau hautnah erleben zu können.

Successity: Welchen Wein trinken Sie persönlich am liebsten? Warum gerade dieser?

Karl Schefer: Meine Lieblingsweine sind Vinya Laia und der Rioja von Osoti. Beide glänzen durch ein aussergewöhnlich gutes Preis-/Genussverhältnis und ich liebe rote Spanier. Auch den preiswerten El Molino finde ich toll. Aus Italien gefällt mir Villa Dorata und aus Frankreich Château Coulon Sélection spéciale. Und soll es zwischendurch etwas ganz Besonderes sein, dann entkorke und dekantiere ich eine Flasche „Les Mûriers“ von Château Duvivier. Dazu ein milder Provence-Ziegenkäse - das ist ein Traum!

Successity: Sie stammen aus der Schweiz, wohnen mit Ihrer Familie in Cannes und betreiben Château Duvivier in der Provence. Wo gefällt es Ihnen am besten und wo würde Sie am liebsten dauerhaft wohnen?

Karl Schefer: Ich würde am liebsten in einem kleinen Schweizer Bergdorf wohnen. Ich liebe die Alpen und die stark wechselnden Jahreszeiten. Natürlich hat das Klima am Mittelmeer auch seine Reize, die vor allem meine Frau und auch die Kinder noch mehr als ich schätzen. Deshalb wohnen wir ja auch noch immer in der Provence. Von der französischen Bürokratie habe ich aber die Nase gestrichen voll. Ich würde nie mehr ein neues Geschäft in Frankreich eröffnen. Wir Schweizer sind diesbezüglich verwöhnt – die Schweiz ist ein sehr guter Geschäfts-Standort mit klaren Regeln und verhältnismässig wenig hindernder Bürokratie.

Successity: Was sind Ihre beruflichen Ziele?

Karl Schefer: Den Biowein noch erfolgreicher zu machen.

Herzlichen Dank für das Interview, Herr Schefer!





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Interviewpartner:

Karl Schefer

Adressdaten:
Delinat AG
Kirchstrasse 10
Postfach 8
CH-9326 Horn
Telefon: 071 227 63 00
kundenservice@delinat.com

Website: http://www.delinat.com/
 


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