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Speaker's Corner

˝Geld pur˝

Fünf Anmerkungen zur Finanzkrise


I.
Sicher, in den oberen Etagen der Finanz- und Wirtschaftswelt sitzen solche, die vor allem das eigene Wohl im Auge haben und sich die Umstände so einzurichten wissen, daß ihnen über Boni und Gewinnbeteiligungen ein satter Teil jener Profite zufließt, die Unternehmen mit ihrer Produktion von Gütern erzielen. Nur, wir wissen, daß diese Rechnung zu einfach ist. Oft geht es heute ja darum, nicht mehr die unternehmerischen Ziele der Wirklichkeit anzupassen, sondern die Wirklichkeit diesen Zielen. Ähnlich wie bei den Chinesen vom "Sozialistischen Kapitalismus" die Rede ist, kann man in Europa und in den Vereinigten Staaten von einer pervertierten "Kapitalistischen Planwirtschaft" sprechen. Statt einer profitablen Fabrikation von Gütern steht nun die von Gewinnen im Mittelpunkt, möglichst kostenarm und deshalb – im Idealfall – ganz ohne Güter. Mithin geht es um die Fabrikation von Geld, auf die man sich in den westlichen Gesellschaften zu spezialisieren beginnt, nicht zu verwechseln mit dem Druck von Banknoten.

II.
Wie die Erste Allgemeine Verunsicherung schon sang: "Das Böse ist immer und überall." Schuldzuweisungen an die eine oder andere Gruppe lassen sich heute nur noch aufrecht erhalten, wenn man in kürzesten Zusammenhängen denkt, wenn man die Unübersichtlichkeit der Moderne mißachtet, wenn man zu schwach oder zu bequem ist, ohne Lösung zu leben. Einer der Ursprünge der Finanzkrise 2008/09 liegt in dem Programm der Clinton-Regierung aus dem Jahr 1993, Geringverdienern in den Vereinigten Staaten den Kauf einer Immobilie zu ermöglichen. Das war der Nährboden für die Subprime Mortgages, die, gebündelt zu den Collateralized Debt Obligations (CDOs), Geld fabriziert haben, hinter dem kaum ein Wert stand. Wer über kein Einkommen verfügt, keinen Job hat und keinen Besitz, der hat nun einmal kein Kapital für ein Haus. Und wer als Investor mit der Vergabe einer Hypothek dieses nicht vorhandene Kapital kaufte, der kaufte "des Kaisers neue Kleider", mochte er es nun wissen, wissen wollen, oder nicht. Den Rest des Rätsels, wohin das viele Geld geflossen ist, das während der Finanzkrise verschwunden sein soll, löst ein Grundschüler: Jene Billionen, die Investoren weltweit für die CDOs gezahlt haben, sind bei denen gelandet, denen sie im Austausch gegen die CDOs gezahlt worden sind. Und wenn sie von diesen Leuten nicht ausgegeben wurden, dann sind sie dort noch heute.

III.
Die sogenannten "Bodybuilder" in Kalifornien, die die Subprime Mortgages gewissenlos an sogenannte "Unterprivilegierte" verkauften; die Ratingagenturen wie Merrill Lynch, die die CDOs als risikoarme oder sogar risikolose Kapitalanlage zertifizierten; der kleine Mann irgendwo auf der Welt, der Lenin nicht mochte und dachte: "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser – ich vertraue Merrill Lynch"; der deutsche Beamte, der meinte, mit dem Einstieg in den globalen Aktienmarkt den Haushalt seiner Stadt sanieren zu können; der halbgebildete Investor, der von Potemkinschen Dörfern schon einmal gelesen hatte, die Querverbindung aber nicht zog und schon gar nicht nach Kalifornien reiste, um sich mit eigenen Augen von seiner Kapitalanlage ein Bild zu machen; sie alle haben Anteil an der Misere und tragen einen Teil der Verantwortung für sie. Es ist das alte Lied – auch ich habe auf einem Konto Geld angelegt, von dem ich nicht weiß, für wen es gerade arbeitet.

IV.
Der Grundgedanke des Tausches ist bestechend: Ich gebe etwas und bekomme dafür etwas anderes, das (mindestens) denselben Wert besitzt. Und doch ist bis heute fast jeder Tausch unvollkommen. Wie oft gibt man etwas und bekommt dafür nichts, oder weniger als erhofft. In der Natur gibt es den Tausch nicht, dort herrscht der Raub. Und dieser Tatsache eingedenk wäre es doch eine plausible Erklärung, wenn man sagte, daß der Tausch, weil er mit uns aus der Natur hervorgegangen ist, noch etwas vom Raub an sich hat. Ein "guter" Tausch ist der, bei dem man selbst möglichst wenig gibt und möglichst viel bekommt. – Die Zeit entflieht, der Mensch bleibt seiner Herkunft treu. Auch auf dem fernsten Planeten, sollte er dort einmal siedeln, wird er an Dingen hängen und manche von ihnen unbedingt besitzen wollen.

V.
Unser Dilemma ist, daß wir vorwärts leben, aber rückwärts erkennen. Also, was lernt man daraus, daß wir für die Zukunft nicht lernen können? Ludwig Bamberger, Mitbegründer der Deutschen Bank, sagte am Ende einer Besprechung häufig: "Wir haben bei unseren Planungen etwas vergessen. Wir haben nicht an das Unvorhersehbare gedacht." Das kann jeder von uns: Öfter an das Unvorhersehbare denken. Sein Menschenmögliches tun, aber nicht auf göttliche Resultate hoffen. Und nur an solche Götter glauben, die uns helfen, Mensch zu bleiben.

Jakob Anderhandt – lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Sydney, Australien. Zur Zeit arbeitet er an einer Biographie des Kapitäns der Weltmeere und Kaufmannes Eduard Hernsheim, der sich ab 1886 öffentlich dagegen einsetzte, daß die Südsee durch einen Berliner Bankenring zum Spekulationsobjekt gemacht wurde.

– Mit Dank an Klaus Mühlen und Gerhard Burzan. –



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